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2019/20 Unsere Geschichte der Dinge - 
ein kulturpädagogisches Schulprojekt

Das kulturpädagogische Projekt „Unsere Geschichte der Dinge“ war eine Kooperation des fraplab.Raum für Qunst und Quer e.V. und einer 6. Klasse der Stadtteilschule Altona.

Während eines Schuljahres (2019-2020) wurde dieses Projekt zu einer forschenden interdisziplinären Lernexpedition in die „Welt der Dinge“, insbesondere der musealen Dinge, eingebunden in den Fachunterricht Kunst und pendelnd zwischen Schule und dem Kreativ-Atelier fraplab.

Persönliche Dinge sind mit eigenen Erinnerungsgeschichten aufgeladen, museale Dinge mit zum Teil historischer Kolonialgeschichte. Exemplarisch an der Kolonialgeschichte der Osterinsel, wurden die eigenen wie die musealen Ding-Geschichten vielperspektivisch befragt und neu komponiert. 

Die Schüler*innen erfanden eigene fiktive Insel-Kulturen und auch die Erfahrungen während des ersten Corona-Lockdowns Anfang 2020 integrierten sich in das Gesamtprojekt: Die Schüler*innen entwickelten ihre eigene Corona-Insel – damals noch nicht ahnend wie sehr Corona tatsächlich unsere gesamte Alltagskultur und Gesellschaft global bestimmen würde.

Das Projekt „Unsere Geschichte der Dinge“ fand seinen Abschluss in einer großen Museumsausstellung in der Stadtteilschule Altona im Oktober 2020 und lud hier auch andere Schüler*innen dazu ein, in Aktion zu treten und sich zu beteiligen.

Das Booklet zur Ausstellung

Das Projekt „Unsere Geschichte der Dinge“ zeigt mit seinem interdisziplinären, kulturpädagogischen Konzept anschaulich, wie fächerübergreifendes, agiles Lernen stattfinden kann und  intermediale Lernräume ermöglicht werden können. 

Um die Herangehensweise zu veranschaulichen und einen Überblick über die Arbeit und die entstandenen Dinge zu geben, haben wir dieses Booklet erstellt. Es zeigt neben den entstandenen Dingen und Geschichten auch die vermittelten Lerninhalte sowie die didaktischen Hintergründe dieses Projektes.

Das Booklet als Broschüre kann gegen eine Schutzgebühr erworben werden. Wenn du Interesse hast, schreibe uns eine E-Mail.

ein kurzer Projekt-Überblick:

die Welt der Dinge und ihre Bedeutungen befragen - 
damals und jetzt

Ausgehend von der Kolonialgeschichte der Osterinsel „Rapa Nui“ wurde die Schüler*innen selbst zu Entdecker*innen, Forscher*innen und Erfinder*innen. Die historische koloniale Aneignung wurde in diversen Werkprozessen de-kolonialisiert und umgedeutet : die Schüler*innen stellten eigene Miniatur-Skulpturen und archäologische Dinge aus Upcycling-Materialien her und erfanden kreative Namen, Geschichten und Bedeutungen dafür. Sie schufen neue Inseln auf der Weltkarte, entwarfen malerisch eine migrantische Vielfalt von Ureinwohner*innen, sowie Masken für bestimmte Rituale und Rollen.

Aus all diesen Exponaten generierte sich eine vielfältige KulturWelt, in der die ErfahrungsWelt der Schüler*innen mit ihren unterschiedlichen Migrationshintergründen zu einer eigenen museale Inszenierung wurde. Mit der abschließenden Gesamtkunstwerk-Ausstellung im Oktober 2020 in der Stadtteilschule wurde das Projekt so zu einem besonders vielfältigen Lernort für alle Schüler*innen im Stadtteil.

Ausgangspunkt für die Arbeit im Projekt war die Geschichte des Hoa-Haka-Nana-Ia, der den Inselbewohner*innen der Osterinsel von europäischen  Eroberern gestohlen und ins British Museum abtransportiert worden ist.

Im fraplab stellten wir Fragen an unsere Lieblingsdinge: Woher kommen sie? Wer hat sie uns gegeben? Wieso sind sie uns wichtig und woran erinnern sie uns?

Im MARKK haben wir in einem Workshop zum Thema „erste Dinge“ alte Dinge aus aller Welt, die seit langer Zeit  im Museum sind, kennengelernt und unseren Lieblingsdinge kreativ befragt.

Anhand der Geschichte von der Eroberung der Osterinsel entwickelten wir im fraplab unsere eigenen Bilder, die die Insel und den Abtransport des Moai nach England zeigen.

Eine Phantasiereise brachte uns zu unseren eigenen Steinkolossen, denen wir dann aus Ton eine Form und ein Gesicht gaben. Auf ihrer Rückseite – wie beim echten Moai – ritzten wir geheime Schriftzeichen ein.

Alte Biologie-Karten waren die Vorlage für unsere eigenen Inseln, denen wir Namen gaben und deren Orte wir näher bezeichneten. Auch unsere Steinkolosse fanden darauf ihren Platz.

In der folgenden Zeit stellten wir in der Schule im Werk- und Kunstraum verschiedene Dinge, wie Schmuck, Werkzeuge, Musikinstrumente, Gefäße und Waffen her, die die Einwohner*innen der Inseln benutzt haben.

An einem Projekttag entstanden die Einwohner*innen der Inseln und ihre Masken in der Schule und im fraplab. In zwei Gruppen (Mädchen und Jungen) malten und bastelten wir einen Tag lang, was das Zeug hielt – mit Musik, Spaß und in kreativer Atmosphäre.

Und dann war er da: der Corona-Lockdown. Auf schnellstem Wege wurde im fraplab auf „online“ umgestellt und auf Padlet weitergearbeitet. Wir bekamen aber auch echte Briefe mit kreativen Aufträgen, die zuhause die Langeweile wegpusteten.

In den Maiferien konnten wir uns dann das erste Mal nach so langer Zeit wiedersehen und gemeinsam – natürlich draußen mit Abstand und Maske – ein großes Modell der Corona-Insel bauen. Wir, das war eine engagierte Gruppe aus der Klasse 6c, die in den Ferien gerne kreativ sein wollten. 

Das Wetter war bestens und wir hatten eine Woche lang eine Menge Spaß und unter unseren Händen entstand aus Altmaterial eine neue Inselwelt.

Während des gesamten Projektes sind viele kreative Texte und Geschichten über die einzelnen Dinge und ihre Zusammenhänge entstanden. Alle Texte haben wir in unseren Log-Büchern notiert bzw. auf Steckbriefen zusammengetragen.

Darüber hinaus haben wir Freunde und Verwandte interviewt und davon kleine Smartphone-Videos erstellt. Leider können wir die an dieser Stelle aus Datenschutzgründen nicht zeigen.

Eine Auswahl der Interviews und Geschichten findest du in der Ausstellung und im Booklet.

Nach den Oktoberferien – inzwischen sind wir in der 7. Klasse – haben wir mit Stolz beim Aufbau der Ausstellung unserer Geschichte der Dinge geholfen und waren ein bisschen überrascht über all das, was wir in einem Jahr im Kunstunterricht und darüber hinaus geschaffen haben.

virtueller Rundgang durch die Ausstellung

eine gelungene Zusammenarbeit ...

Dass dieses Projekt durchgeführt werden konnte, verdanken wir der uneingeschränkt kooperativen und engagierten Zusammenarbeit des Kunstpädagogen Ulrich Schötker, den beiden Klassen-Tutoren Nergiz Avcu und Frank Stuhlmacher der Stadtteilschule Altona sowie der Hamburgischen Kulturstiftung und der PwC-Stiftung mit ihrer Projekt-Förderung.

Die Projekt-Ausstellung wurde durch Mittel der Hamburgischen Kulturstiftung, der PwC-Stiftung, der Gabriele Fink Stiftung sowie der Stadtteilschule Altona ermöglicht. Vielen Dank dafür!

Konzept & Realisation: Utta Hoffmann & Bettina Wistuba

gabriele fink stiftung